Ein paar Ruinen, ein paar Städtetrips, aber auch ein bisschen Strand. Das war der grobe Plan für knappe zwei Wochen Rucksackreise in Guatemala. Angefangen hat dieser in San Pedro, direkt am Lago Atitlán. Von Chiapas, im Süden Mexikos, fahren mehrmals täglich Busse dorthin und die Strecke, mit etwa neun Stunden Fahrtzeit, konnte mich nach einem Jahr in Mexiko auch nicht mehr schocken.

Außerdem waren es von San Cristobal de las Casas, unserem Ausgangspunkt, nur ein paar Stunden bis zur Grenze, was hieß, dass wir sie noch am Vormittag überqueren konnten. Ich versuche, auf meinen Reisen möglichst zu vermeiden, mitten in der Nacht in einem neuen Land anzukommen, wenn ich mit den dortigen Verkehrsmitteln und der Gesamtsituation noch nicht vertraut bin.

Anreise und Reisezeit

Wenn Du nicht gerade mit dem Bus aus einem der Nachbarländer anreist, kommst Du um einen Flug nicht herum. Da es von Deutschland aus keine Direktflüge gibt (Umstieg meist in Madrid oder Mexiko-Stadt), musst Du mit einer Flugzeit von mindestens 16 Stunden rechnen.

Während der Trockenzeit von Oktober bis April herrscht im ganzen Land eine angenehme Temperatur und viel Sonnenschein. Aber selbst in den Regenmonaten gibt es eher abendliche Schauer, als dass es stundenlang regnet. Guatemala eignet sich daher also ganzjährig als Reiseziel.

Guatemala: Nützliche Tipps

Impfungen, Währung und Sicherheit: Hier findest Du all meine Reisetipps!

Währung

Neues Land, neue Währung. Das ständige Geldwechseln beim Reisen durch Mittelamerika gehört eindeutig nicht zu meinen Lieblingsbeschäftigungen.

In Guatemala bezahlst Du mit Quetzales. Auch wenn ich kein großer Fan von Bargeld bin: Du solltest am besten direkt bei der Einreise etwas Geld tauschen, da besonders in kleinen Orten (auch um den Lago Atitlán) die Chancen auf einen Bankautomaten eher schlecht stehen.

Impfungen

Neben den gängigen Impfungen kann es Sinn machen, Dich gegen Hepatitis A oder Gelbfieber impfen zu lassen. Das ist immer abhängig davon, ob Du viel in ländlichen Gegenden unterwegs bist und wie Du reist. Ich lasse mich immer gegen tödliche Krankheiten impfen, wenn die Chance besteht. Gegen viele der von Mücken übertragenen Infektionen, wie das Dengue-Fieber, gibt es aber zum Beispiel sowieso keine Impfung. Wenn Du nicht gerade wochenlang im Dschungel unterwegs bist oder ständig Wasser aus der Leitung trinkst, ist die Gefahr für ernsthafte Erkrankungen nicht besonders groß.

Sicherheit

Vor einer Reise nach Lateinamerika wird man grundsätzlich gern vor allen möglichen Gefahren gewarnt. Das Witzige ist, dass sich die meisten mittelamerikanischen Länder gegenseitig für sehr gefährlich halten. In Guatemala wurde ich gefragt, ob ich keine Angst hätte, in Mexiko zu wohnen. Die Familie meines mexikanischen Freundes war dagegen sehr besorgt vor meiner Reise, da jedes Land südlich von Mexiko quasi lebensgefährlich ist.

Es stimmt, dass die Kriminalitätsrate in all diesen Ländern sehr hoch ist – überfallen wurde ich allerdings erst einmal in meinem Leben. Das war in Italien. Solange Du Dich an die allgemeinen Sicherheitsvorkehrungen hältst, also nicht nachts oder in abgelegenen Gebieten allein herumwanderst und gut auf Deine Tasche aufpasst, machst Du nicht viel verkehrt.

Guatemala war für mich allerdings das Abzockerland Nummer eins. Überall wurde versucht, Geld herauszuschlagen, Wechselgeld wurde falsch herausgegeben oder Touren angeboten, die gar nicht existierten. Dabei hilft es sehr, einigermaßen Spanisch zu sprechen, um in Ruhe gelassen zu werden.

Sprache

Die Amtssprache in Guatemala ist Spanisch. In den touristischen Gegenden kannst Du Dich zwar auch auf Englisch mehr oder weniger verständigen, Du wirst aber wahrscheinlich eher mal über den Tisch gezogen.

Guatemala mit dem Rucksack

Guatemala ist ein perfektes Ziel für Backpacker und Rucksacktouristen. Du kannst problemlos, günstig und ohne weite Strecken fahren zu müssen herumreisen und die meisten der unzähligen Budget-Hostels haben auch spontan Betten frei. Ein teurer Koffer sieht nach der Fahrt auf dem Dach eines Chickenbusses wahrscheinlich sowieso nicht mehr besonders schön aus.

Shuttle o Chicken?

Das erste Mal, dass wir die obligatorische Frage gestellt bekamen, die uns unseren gesamten Trip über begleiten sollte, war in Panajachel, unserem Ausgangspunkt am Lago Atitlán. Wir wollten direkt weiter in die wohl beliebteste Stadt des Landes, Antigua, reisen und dafür gibt es in Guatemala immer zwei Möglichkeiten: Wie die Einheimischen in einer Art umgebauten Schulbus, dem Chickenbus, oder im etwas bequemeren aber auch teureren Shuttle. Wir entschieden uns, trotz Warnung, für den Chickenbus und hätten uns dafür für den Anfang vielleicht eine etwas kürzere Strecke aussuchen sollen. Während unser Gepäck unangeschnallt auf dem Dach landete, hatten wir es spätestens nach der dritten Kurve aufgegeben, dagegen anzukämpfen, plötzlich bei unserem Sitznachbarn auf dem Schoß zu sitzen, und so fuhren wir sehr gemütlich weiter nach Antigua.

Guatemala Rundreise

Weiter unten findest Du meine zweiwöchige Route durch Guatemala zum Nachreisen!

Lago Atitlán: Guatemalas berühmtester See

Die eigentliche Reise starteten wir, wie gesagt, am Ufer des Sees Atitlán in Panajachel, kurz Pana. Die Boote, die Dich über den See nach San Pedro La Laguna oder San Marcos La Laguna fahren, sind privat und meist verlangen die Besitzer einen Gesamtpreis pro Boot. Wir hatten deshalb Glück, dass wir uns die Fahrt mit ein paar anderen Backpackern teilen konnte und erreichten nach einem traumhaften Sonnenuntergang auf dem See unser erstes Ziel.

San Pedro

Unser erstes Hostel lag direkt am berühmten Lago auf 1500 Meter Höhe, umgeben von drei Vulkanen, die sich alle besteigen lassen. Abgesehen davon gibt es traumhafte Plätze rund um den See herum, an denen man einfach abschalten und die Aussicht genießen kann. Nach einem kurzen Fußmarsch erreichst Du das nächste Dörfchen am Ufer, San Marcos, das Hippiedorf schlechthin. Ich fand es etwas schöner als San Pedro und es gab weniger Touristen.

Das eigentliche Highlight war aber, es mag blöd klingen, die Abreise. Morgens um sechs fuhren wir in einem Boot zurück in Richtung Panajachel, während vor uns, über dem Vulkan die Sonne aufging. Da saßen wir nun zu dritt in einem kleinen Boot, mitten auf dem See, in pinkes Licht getaucht und erlebten einen der magischsten Momente unserer Reise.

Antigua

Für diese Stadt solltest Du, meiner Meinung nach, in Guatemala die meiste Zeit einplanen. Du kannst Tage damit verbringen, durch die wunderschöne Kolonialstadt zu laufen und das Essen (must eat: Crepe Restaurant Luna de miel) zu genießen. Zum Sonnenuntergang gehst Du am besten zum Aussichtspunkt der Stadt, von dem aus Du einen tollen Blick auf den Vulkan Pacaya erhaschen kannst.

Vulkan Pacaya

Der Höhepunkt ist natürlich die Besteigung des Vulkans selbst. Pacaya gehört zu einem der aktivsten Vulkane weltweit. Selbstfahren lohnt sich hier nicht. Für die Fahrt im Minivan mit drei bis vier weiteren Touristen und Eintritt in den Nationalpark haben wir nicht einmal acht Euro gezahlt. Nach dem zweistündigen Aufstieg zum Sonnenaufgang liefen wir stundenlang über schwarze Lava. Da der Vulkan 2010 erst ausgebrochen ist, durften wir nur bis unterhalb des Kraters gehen. Aus einigen Löchern kommt dort noch immer so heiße Luft, dass wir uns zum Mittagessen Marshmallows rösten konnten.

Flores und Tikal

Tipp: Bevor wir von Antigua weiterfahren wollten nach Flores, haben wir einen Abstecher nach Honduras zu den Copán Ruinen gemacht. Das ist nur ein kleiner Umweg und liegt ungefähr auf der Hälfte der Strecke. Von Honduras aus ging es dann direkt weiter in den Norden Guatemalas.

Von Flores selbst hatte ich nicht viel mehr erwartet als einen Ausgangspunkt zur Maya Stätte Tikal. Es ist aber ein wirklich hübsches „Dorf“ auf einer Insel, Isla de Flores, die Blumeninsel genannt, auf der man in zwei Stunden alles gesehen hat. Viele kleine bunte Häuschen und Gassen und nette Restaurants am Meer.

Mehrmals täglich fahren verschiedene Shuttles nach Tikal. Wir waren mit unserem Aufbruch um 4.30 Uhr morgens eher spät dran. Möchtest Du zum Sonnenaufgang dort sein, musst Du spätestens um drei losfahren. Aber auch ohne Sonnenaufgang ist diese Stätte wieder unglaublich beeindruckend und eine der bedeutendsten der Maya Zeit. Die geführte Tour durch die Ruinen haben wir uns gespart, da ich mittlerweile das Gefühl hatte, die Lebensgeschichte jedes einzelnen Maya persönlich zu kennen. Meine Lieblingsbeschäftigung, mir vorzustellen wie die Maya hier früher durch die Gegend liefen, fiel mir durch die Masse an Touristen aber leider etwas schwer. Guatemala hat nicht so viel zu bieten, wie ein Land wie Mexiko im Vergleich und ist vor allem wesentlich kleiner. So konzentrieren sich alle Touristen auf die wenigen Anlaufpunkte. Das Gute daran: Hast Du unterwegs nette Leute kennengelernt, triffst Du Sie garantiert bei Deinem nächsten Stopp wieder.

Meine Route

San Pedro, Lago Atitlán: Papaya’s Hostal

Antigua: Maya Papaya

Flores: Hotel Isla de Flores

Von Guatemala nach Belize

Für die meisten Touristen geht es nach Guatemala weiter in den Süden oder in den Norden nach Mexiko oder Belize. Wenn Du länger als zwei Wochen Zeit hast, hast Du in Guatemala wahrscheinlich alles gesehen und ich würde unbedingt noch ein bisschen Strandurlaub dranhängen. Schöne Strände sind in Guatemala leider Mangelware. Einige Stunden weiter nördlich (mit dem Bus sind es von Flores nach Belize City ungefähr vier Stunden) findest Du dafür karibische Traumstrände.

Von Guatemala nach Mexiko

Wir sind die Route andersherum herum gefahren. Also vom mexikanischen Chiapas in das guatemaltekische Panajachel. Willst Du eher Ruhe und Strand, fährst Du besser nach Belize und von dort aus eventuell weiter ins mexikanische Chetumal (zwei Stunden Bootsfahrt von Caye Caulker). Dann bist Du an den mexikanischen Karibikstränden von Tulum, Playa del Carmen und Cancún angekommen.

San Christobal de las Casas in Chiapas dagegen, ist eine alte Kolonialstadt. Chiapas ist sehr traditionell und viele der mexikanischen Ureinwohner leben dort. Strände findest Du hier nicht, nur grüne Landschaften, Seen, Wasserfälle und die berühmten Cascadas de Agua Azul, das blaue Wasser.

Von Guatemala nach Honduras

Wir haben, wie gesagt, nur einen kurzen Abstecher nach Honduras gemacht, bevor wir wieder zurück nach Guatemala gefahren sind. Copán, die honduranische Stadt an der Grenze zu Guatemala, eignet sich aber ebenso hervorragend als Ausgangspunkt, um weiter Richtung Süden zu reisen. Von Antigua und Guatemala City fahren regelmäßig Busse nach Copán, die Dich sicher über die Grenze bringen und meist nicht länger als sieben Stunden unterwegs sind.

Fazit zu Guatemala

Guatemala hat viele wunderschöne Ecken, die mich wirklich überrascht haben. Wenn Du von Mexiko aus startest oder durch Mittelamerika reist, darf das Land keinesfalls auf Deiner Route fehlen. Als einziges Ziel eines Urlaubes von Europa aus, hätte es für mich aber nicht genug zu bieten.

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