Wenn es ein Reiseziel gab, von dem ich überhaupt keine Vorstellung hatte, was mich erwarten würde, dann war das wohl Tokio. Ich fand Japan, mit seiner exotischen und völlig fremden Kultur aber schon immer faszinierend. Auf Einladung einer japanischen Freundin, verbrachte ich eine Woche im Apartment ihrer Eltern, über den Dächern von Tokio. Sehenswürdigkeiten, Aktivitäten und alles, was Du wissen musst, habe ich hier für Dich zusammengefasst.

Tokio: Wissenswertes

Ich war im Nachhinein unglaublich froh, in Tokio jemanden an meiner Seite zu haben, der in der riesigen Metropole aufgewachsen ist. U-Bahn-Schilder, Speisekarten oder Produkte im Supermarkt – überall findest Du nur japanische Zeichen, von denen sich nicht einmal erahnen lässt, um was es sich handelt.

In Tokio leben etwa 13 Millionen Menschen und kaum einer von ihnen spricht Englisch. Die Leute sind trotzdem unglaublich interessiert und hilfsbereit und überhaupt nicht so distanziert, wie ich zu Anfang gedacht habe. Allerdings stößt Du mit Zeichensprache und pantomimischen Vorführungen doch schnell an Deine Grenzen und ich war froh, einen persönlichen Dolmetscher dabeizuhaben. Der Nachteil daran war, dass ich keinen richtigen Überblick über die Stadt gewinnen konnte und nur meiner Freundin hinterherlief, statt mich selbst darum zu kümmern, wie wir von einem Ort zum anderen kommen. Da eine Woche sowieso relativ kurz für eine Stadt wie Tokio ist, war das aber okay.

Flüge von Deutschland nach Tokio und wieder zurück, findest Du teilweise schon ab 300 Euro. Denk aber daran, dass Tokio selbst eine sehr teure Stadt ist und das meiste Geld für Unterkunft und Essen draufgeht.

Tokio Transport

Das U-Bahnnetz von Tokio ist riesig und die Beschilderung oft nicht auf Englisch. Trotzdem ist der Plan recht übersichtlich, wenn Du ihn einmal verstanden hast und Du kommst relativ leicht von einem Ort zum anderen. Vermeide öffentliche Verkehrsmittel zum Feierabend (in Tokio gegen 22 Uhr!). Dann sind die Bahnen und Busse so überfüllt, dass sie gar keine Menschen mehr aufnehmen. Sitzplätze gibt es in den meisten U-Bahnen ohnehin nicht. Die Japaner stehen dicht an dicht und schlafen oft sogar im Stehen auf dem Weg zur Arbeit.

Als das Land mit einer der höchsten Selbstmordraten der Welt, gibt es an jedem Bahnsteig Schranken, die sich erst öffnen, wenn der Zug eingefahren ist und sich danach sofort wieder schließen.

Dinge, die Du in Tokio unbedingt tun musst: Karaoke

Wenn man nur eine Woche lang in einer Metropole wie Tokio unterwegs ist, braucht man einen straffen Zeitplan und so stolperte ich mehr oder weniger direkt vom Flughafen ins Karaoke Kan, eine Karaoke Bar in Harajuku, in der schon Bill Murray in Lost in Translation seine Gesangskünste zum Besten gab. Aber auch hier wurde ich wieder überrascht, da ich Karaoke Bars bis jetzt nur als Kneipe mit einer großen Bühne kannte. Japaner bleiben beim Singen wohl lieber unter sich und ziehen sich in schalldichte Kabinen für 4- 10 Leute zurück, in denen es Sofas, einen Fernseher und ein Telefon für Bestellungen an die Kellner gibt. Mit einer Gruppe von Freunden kannst Du hier problemlos den ganzen Abend verbringen und Dich an der riesigen Auswahl an Titeln austoben. Englische Klassiker findest Du dabei genauso wie japanische Volkslieder.

Harajuku

Das Viertel Harakuju selbst, liegt direkt zwischen den angesagtesten Distrikten der Stadt, Shibuya und Shinjuku. Auf der Hauptstraße Takeshita-dori, findest Du alles von tollen Sushi Restaurants, über unzählige Klamottenläden bis hin zu Accessoires- und Snack Buden. Hier erlebst Du völlige Reizüberflutung. Harajuku ist das Zentrum für die typisch japanische Teenager Mode, Straßenkultur und die Pop-Punk-Niedlichkeit der Kawaii-Kultur.

Nur wenige Minuten entfernt liegt der Meji-jingu Park, mit seinem berühmten Torii-Tor als Eingang. Hier wird es sofort leiser, grüner und einige Grad kälter. Eine willkommene Abwechslung bei über vierzig Grad in der Innenstadt.

Essen in Tokio

Um sich gleich in die richtige Stimmung zu bringen, kommt für ein erstes Abendessen in Tokio natürlich nur eine Sushi-Bar infrage. Hier kannst Du lernen, wie Du sogar Suppe mit Stäbchen isst (nämlich indem Du die Nudeln mit den Stäbchen isst und den Rest ausschlürfst – völlig geräuschlos natürlich). Das Essen selbst ist allerdings der absolute Wahnsinn und hat nichts mit den Sushi-Restaurants in Europa zu tun. Auch als Vegetarier hast Du eine riesige Auswahl an Temaki und Maki Variationen. Das Gemüse schmeckte mir persönlich viel besser als zu Hause und in Nasu no Tsukemono, eine Art eingelegte Aubergine, habe ich mich sofort verliebt. Dazu wird meist kalter grüner Tee, Matcha, serviert. Im Sommer ist dieses dickflüssige und sehr, sehr grüne Getränk der perfekte Durstlöscher.

Disneyland Tokio

Um vom Stadtzentrum aus zum Disney Resort zu kommen, nimmst Du die Keiyo-Line und steigst an der Maihama Station aus. Von dort aus sind es nur wenige Meter bis zum Eingang. Ich war in Tokio das erste Mal in einem Disneyland, kann es also nicht mit anderen vergleichen. Allerdings passt die bunte Kitschkultur der Japaner perfekt in die Disneywelt. Hier kannst Du problemlos einen ganzen Tag verbringen oder sogar übernachten.

Shibuya

In Shibuya sahen plötzlich alle Mädchen um mich herum aus, wie einem Manga Comic entsprungen. Es ist lustig, wie jedes der 23 Stadtviertel Tokios seinen ganz persönlich Style zu haben scheint. Auf den Straßen Shibuyas sah ich niemanden ohne perfektes Make-Up, Outfit und Frisur. Selbst ohne die überfüllte Shops, für bunte und verrückte Mitbringsel, die die Straßen säumen, kannst Du die Zeit einfach damit verbringen, zu gucken, zu staunen und Dich mitreißen zu lassen.

Tokyo Tower

Eigentlich ist das erste, was ich suche, wenn ich in eine neue Stadt komme, ein Aussichtspunkt, um alles erst einmal von oben zu überblicken. Auf den Tokyo Tower schafften wir es erst an unserem letzten Abend. Von unten hatte ich kurz das Gefühl, in Paris unter dem beleuchteten Eiffelturm zu stehen. Die Ähnlichkeit ist verblüffend. Der Tokyo Tower ist allerdings fast 400 Meter hoch und eigentlich ein Fernsehturm. Ganz oben besteht der Boden fast nur aus Glasplatten, durch die man 400 Meter in die Tiefe sehen kann. Wer sich traut, geht weiter nach draußen auf die Aussichtsplattform mit Glasboden und wird mit dem unglaublichsten Blick über Tokio belohnt.

Sensoji Tempel

Der Sensoji Tempel ist der älteste buddhistische Tempel Tokios und erinnerte mich, trotz 30 Grad Celsius mitten in der Nacht, an einen Weihnachtsmarkt. Überall waren Kerzen angezündet und Lampions brannten und die fünfstöckige Pagode roch nach Weihrauch. Besonders beeindruckend ist das sogenannte Donnertor am Eingang des Tempels. Diese buddhistische Struktur beinhaltet eine riesige Laterne aus Papier, die rot und schwarz angemalt ist und Blitz und Donner symbolisiert.

In Sensoji findet jedes Jahr Tokios größtes Matsuri (Shinto Fest) statt, welches im Frühling gefeiert wird, mehr als drei Tage anhält und den ganzen Verkehr des Stadtteils lahm legt.

Tsukiji Fischmarkt

Auf den ersten Blick gibt es sicher Schöneres, als morgens um fünf, direkt nach dem Frühstück, auf einem japanischen Fischmarkt zu stehen – vor allem für Vegetarier.

Trotz allem war es interessant zu sehen, wie Tonnen von fangfrischem Fisch innerhalb von Sekunden ausgenommen und zerlegt wurden und auf der Ladentheke landeten. Teilweise wurden die Fische sogar noch lebend verkauft.

Der Geruch von Blut und die vielen Fischköpfe auf dem Boden halfen aber nicht gerade dabei, das Ganze appetitlicher zu machen.

Inzwischen ist der größte Fischmarkt der Welt umgezogen und Tsukiji ist nun ein Themenpark rund ums Essen.

Tokio Sehenswürdigkeiten und Aktivitäten

Hier noch ein paar Ideen, was Du mit ein wenig mehr Zeit noch alles in Tokio erleben kannst:

– ein Sentō, ein traditionelles Badehaus, besuchen (Achtung: tätowierte Menschen müssen leider draußen bleiben… um die Mafia fernzuhalten)

– Pachinko spielen (Mischung aus Geldautomat und Bagatelle-Spiel in riesigen Spielhallen)

– sich in Shinbashi, Tokios angesagtestem Business District verlaufen

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