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13 Gründe, ab heute vegan zu leben

Es ist ein Phänomen: Egal, wohin ich reise, die Mehrzahl der Menschen denen ich unterwegs begegne, sind inzwischen Veganer oder zumindest Vegetarier. Öko-Tourismus, Green Living, die Welt verbessern – das sind die Trends unter den Globetrottern. Allerdings merkt man den meisten von ihnen tatsächlich an, dass es ihnen mehr um ihre eigene Überzeugung, als um das Nachlaufen von Trends geht. Warum man als Weltreisender auch gleichzeitig zum Weltverbesserer werden will? Es ist wahrscheinlich, wie so oft, eine Frage des Charakters und Menschen die viel reisen sind meist ohnehin offener für verschiedene Lebensweisen. Natürlich tragen auch Umweltverschmutzung und andere globale Probleme, mit denen man auf Reisen zwangsläufig konfrontiert wird, dazu bei, sich Gedanken über den eigene Lebensstil zu machen und sorgen im besten Fall dafür, dass wir Verantwortung übernehmen. Vielleicht wollen wir aber auch einfach unseren Beitrag zu einem erhöhten CO2-Ausstoß, den häufiges Fliegen nun einmal verursacht, wieder gut machen.

Ich bin selbst seit meinem 18. Lebensjahr Vegetarierin und das hatte zunächst wenig mit meinen Reisen zu tun. Ich war immer verrückt nach Tieren und habe nie ganz verstanden, warum ich mit meinem Hund kuscheln und ein Schwein essen sollte. Den Zusammenhang zwischen weltweiter Hungersnot, Klimawandel und Fleischverzehr habe ich erst später verstanden. Das kam tatsächlich erst mit dem Reisen. Durch Gespräche mit anderen, Bücher, Dokumentationen.

Seit einigen Jahren verzichte ich nun fast komplett auf tierische Produkte. Warum das selbst dann eine gute Idee wäre, wenn Dir Tiere und Deine Umwelt völlig egal wären, kannst Du hier nachlesen.

1. Gleichberechtigung is Key

Ich bin eine Verfechterin von Gleichberechtigung, nicht nur unter Menschen, sondern auch in Bezug auf Tiere, die Umwelt und in jeder erdenklichen Lebenssituation. Und Fleisch essen fördert nun einmal Ungerechtigkeiten in unterschiedlichsten Bereichen auf der ganzen Welt.

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Credits: Axel Schurawlow

Nicht nur, dass mit all den Flächen, auf denen Futter für Nutztiere angebaut wird, jeder Mensch dieser Erde ernährt werden könnte – Nahrungsmittel würden außerdem gerechter verteilt werden. Es ist schließlich nicht so, dass die lokale Bevölkerung der Länder, in denen Futter angebaut wird, von dem vielen Fleisch profitiert. Das sind wie immer reichere Länder, die es sich leisten könnten, vegan zu leben und im Gegensatz zu vielen ärmeren Ländern nicht auf Fleischkonsum angewiesen sind.

Ungleiche Behandlung von Tieren

Es ist mir völlig unverständlich, wie Menschen bestimmte Bevölkerungsgruppen kritisieren können, weil sie Hunde essen, sich aber gleichzeitig ein Rindersteak in den Mund schieben, nur weil bei uns die allgemeine Meinung vorherrscht, dass Kühe zum Essen da sind.

Selbst Vegetarier tragen noch zu dieser Ungerechtigkeit bei. Lange war mir nicht klar, dass ich selbst mit dem Verzehr von Eiern dafür sorge, dass pro Jahr 45 Millionen männliche Küken geschreddert werden. Oder das kleine Kälber ihren Müttern sofort nach der Geburt weggenommen und nach wenigen Monaten getötet werden, nur damit wir Kuhmilch konsumieren können, für die es unzählige Alternativen gibt.

2. Klimawandel

Spätestens wenn sie selbst ein Kind bekommen, setzen sich die meisten Menschen damit auseinander, wie die Welt in fünfzig Jahren aussehen wird. Schon jetzt ist sichtbar, dass sie zu diesem Zeitpunkt nicht mehr dieselbe sein wird. Nutztierhaltung ist der größte Verursacher für die Abholzung des Regenwaldes, erhöhten CO2-Ausstoß und weltweite Wasserknappheit.

Ein Veganer spart täglich 4.200 Liter Wasser und rettet 2,8 Quadratmeter Regenwald. Auch wenn Fahrrad- statt Autofahren, kurz duschen und Strom sparen ein guter Anfang sind – es sind nur Tropfen auf dem heißen Stein. Wenn Du einen wirklichen Unterschied in Sachen Umweltschutz machen möchtest, kommst Du um eine vegane Ernährung nicht herum.

Es ist übrigens ein Irrglaube, dass Veganer mit ihrem Sojakonsum ebenso zum Klimawandel beitragen. Über 90% des angebauten Soja wird ebenfalls als Tierfutter verwendet und ob Du als Veganer*in ein- oder zweimal in der Woche ein Tofuschnitzel isst, wird daran höchstwahrscheinlich nichts ändern. Trotzdem sei erwähnt, dass eine gesunde, vegane Ernährung auch komplett ohne Soja möglich ist.

3. Vegane Ernährung macht Spaß

Als ich im Jahr 2007 zum ersten Mal darüber nachgedacht habe, mich komplett pflanzlich zu ernähren, ist mir ziemlich schnell die Lust an dieser Lebensweise vergangen. Es gab kaum Informationen darüber, wie man tierische Produkte am besten ersetzt, was man eventuell supplementieren sollte und Supermärkte und Restaurants waren noch weit davon entfernt, sich auf Veganer einzustellen. Inzwischen gibt es tausende von Rezepten, so dass man nicht einmal mehr auf Ersatzprodukte zurückgreifen muss. Es gibt immer neue vegane Restaurants, die für Inspiration sorgen und dafür, dass es in der pflanzlichen Ernährung täglich etwas Neues zu entdecken gibt. Für alle unter uns, die gern in der Küche experimentieren – es wird garantiert nicht langweilig.

4. Du wirst viel besser aussehen

Natürlich kann man sich auch mit Brot und Nudeln mit Tomatensoße vegan ernähren. Ich gehe allerdings davon aus, dass die meisten Veganer sich zu Beginn ihrer Ernährungsumstellung mit dem Thema auseinandersetzen und dafür sorgen, dass sie ausreichend mit Nährstoffen versorgt sind. Jeder der eine Weile, vor allem auf Milchprodukte verzichtet hat, weiß, was für einen Unterschied diese Ernährungsform auf die Haut und das allgemeine Erscheinungsbild hat. Nach der ersten Umstellungsphase fühlst Du Dich ohne tierische Produkte oft fitter, wacher und gesünder. Vielleicht ist meine Ernährung sogar dafür verantwortlich, dass ich noch nie in meinem Leben einen Schluck Kaffee getrunken habe.

Ernährst Du Dich ausgewogen mit viel Gemüse, Hülsenfrüchten und gutem Getreide, brauchst Du auch bei einer pflanzlichen Ernährung auf keinerlei Nahrungsergänzungsmittel zurückzugreifen, außer natürlich Vitamin B12, das in ausreichender Menge nur in tierischen Produkten vorhanden ist.

Fun Fact zum Vitamin B12: Auch in tierischen Produkten ist Vitamin B12 inzwischen nur noch vorhanden, weil es dem Tierfutter beigesetzt wird. Argumente, dass eine Ernährung, bei der Du supplementieren musst, nicht gesund sein kann, sind damit also hinfällig.

Angst vor Muskelabbau brauchst Du übrigens keine zu haben. Ich mache täglich Sport – auch Kraftsport – und hatte bisher weder mit meinen Blutwerten noch mit dem Muskelaufbau Probleme. Solltest Du Dir Sorgen machen, nicht genügend Protein zu Dir zu nehmen, gibt es von Erbsen- bis zum Hanfprotein unzählige vollständige Alternative für einen zusätzlichen Shake. Meine Tipps für eine vollwertige, vegane Ernährung kannst Du hier nachlesen.

5. Pflanzliche Ernährung ist akzeptiert

Natürlich wirst Du um den ein oder anderen dummen Spruch nicht herumkommen, wenn Du Dich dafür entscheidest, auf tierische Produkte zu verzichten und es wird immer Menschen geben, die mit Dir über diese Form der Ernährung diskutieren wollen. Die Zahl der Kritiker ist aber, meiner persönlichen Erfahrung nach, in den letzten Jahren stark gesunken. Vegane Ernährung ist eben überall präsent und inzwischen dürften auch die letzten verstanden haben, dass sie nichts mit esoterischen Ökos zu tun hat, die sich für bessere Menschen halten. Je mehr die Zahl der Veganer*innen weltweit zunimmt, desto mehr wird sich die Wirtschaft darauf einstellen und desto einfacher wird es Neueinsteigern gemacht. Es kann also wirklich jeder zu einem Umdenken beitragen.

6. Du lebst gesünder

Wenn Du es richtig machst, gehört eine pflanzliche Ernährung zu den gesündesten Ernährungsformen der Welt. Nicht nur, dass Du problemlos alle notwendigen Mikro- und Makronährstoffe aufnehmen kannst – Du ersparst Dir außerdem die zusätzliche Aufnahme von Antibiotika und anderen Medikamentenresten.

Niemand wird außerdem bestreiten können, dass ein Großteil unserer Krankheiten durch Fleischverzehr eingeschleppt wurden. Selbst eine normale Erkältung war ursprünglich keine Menschenkrankheit, sondern kommt eigentlich vom Schwein und entstand erst mit dem Beginn der Viehzucht.

Egal, ob Corona, Vogel- oder Schweinegrippe – würden wir endlich damit aufhören, andere Lebewesen auszubeuten, würde uns in Zukunft vielleicht die ein oder andere Pandemie erspart bleiben.

7. Alle sind glücklicher

Auch wenn es ein sehr offensichtlicher Grund ist, sich vegan zu ernähren, scheinen einige Menschen diesen Punkt komplett auszublenden: Eine pflanzliche Ernährung ist tatsächlich besser für die Tiere. Ich weiß, dass es oft schwer fällt, für etwas die Verantwortung zu übernehmen, was der Großteil der Gesellschaft für okay befindet. Ich kann allerdings kein logisches Argument dafür finden, warum es normal sein sollte, Tiere zu Tausenden ohne Licht, Luft, Futter oder Wasser zusammenzusperren, verletzte und halbtote Tiere über Tage durch teilweise mehrere Länder zu transportieren oder gesunde Tiere kurz nach ihrer Geburt zu töten.

Auch wenn diese Dinge gesellschaftlich akzeptiert sind, sollte sich trotzdem jeder Einzelne vor Augen führen, dass er mit seinem Essverhalten die Produktion bestimmt und jede einzelne Kaufentscheidung eine Art Stimmzettel dafür ist, was wir möchten und was nicht.

Vorteile einer veganen Ernährung auf Reisen

Vorsätze schön und gut – aber ich habe selbst mehr als einmal alles über Bord geworfen, wenn ich unterwegs und mir die Suche nach ausgewogenem Essen ohne tierische Produkte zu aufwendig war. Pflanzliche Ernährung bedeutet eben grundsätzlich eine etwas bessere Planung. Dann wirst Du die Vorteile allerdings schnell zu spüren bekommen – zu Hause und auch unterwegs.

1. Du sparst Dir unerwünschte Unterbrechungen Deiner Reise

Natürlich kann es Dir auch als Veganer*in passieren, dass Du in einem fremden Land Magenprobleme aufgrund der ungewohnten Ernährungsweise bekommst. Allerdings hatte ich damit bisher auf keiner Reise Probleme und ich schiebe das hauptsächlich darauf, dass ich nie Fleisch gegessen habe (was nun einmal meist die Quelle verunreinigter Lebensmittel ist).

Egal ob ich ungewaschenes Obst von einem Straßenstand gegessen habe, Berge von Salat oder die Eiswürfel aus meinem Getränk gekaut habe – mir ging es nie schlecht. Im Gegensatz zu den Leuten, die am Abend zuvor am falschen Tacostand gegessen haben.

2. Reisen erweitert den Horizont

„Ich hab wichtigere Probleme“ oder „Ich hab keine Zeit, mich mit sowas zu beschäftigen“ sind wahrscheinlich die häufigsten Aussagen, die ich bisher zum Thema Veganismus gehört habe. Eine Argumentation, die auf Reisen im Normalfall wegfällt. Reisen sind also ein super Zeitpunkt, um mal über den Tellerrand zu schauen und zu verstehen, dass wir alle schlechter dran wären, wenn jeder seine persönlichen Belange für das Wichtigste der Welt halten würde.

3. Du sparst Geld

Gerade in Ländern außerhalb Europas sind Fleisch und Käse oft teuer, frisches Obst und Gemüse hingegen für wenige Cent zu haben. Gibt es also einen besseren Zeitpunkt, die Umwelt zu schützen und gleichzeitig noch etwas für die Urlaubskasse zu tun?

4. Vegan im Urlaub ist vielseitig

Es gibt kaum einen besseren Start in eine pflanzliche Ernährung, als in einem Land, in dem sowieso hauptsächlich vegan gegessen wird. Die meisten buddhistischen Länder zaubern die leckersten Gerichte komplett ohne tierische Produkte und Du kannst sofort die ersten Rezepte mit nach Hause bringen. In anderen Ländern ist mir oft erst klar geworden, wie vielseitig eine pflanzliche Ernährung eigentlich sein kann.

5. Dir bleibt mehr Zeit zum Reisen

Denn wie inzwischen erwiesen: Mit einer Ernährung ohne tierische Produkte gibt es kaum Krebs, weniger Herz-Kreislauf Erkrankungen und weniger Antibiotika-Resistenzen. Du lebst also quasi ewig und kannst diese Zeit zum Reisen nutzen.

6. Du machst die Welt während des Reisens ein bisschen besser

Gehörst Du zu den Menschen, die wirklich erschüttert waren, nachdem Sie auf Reisen zum ersten Mal ein Kind gesehen haben, das vor Unterernährung einen aufgeblähten Bauch hatte oder sie mit anderen Problemen konfrontiert wurden, mit denen man zu Hause normalerweise nicht in Berührung kommt? Dann kommt hier die gute Nachricht: Durch den Verzicht auf Fleisch kannst Du sofort etwas dagegen tun. Denn ohne die Fleischindustrie hätten ganze Nationen weniger Probleme mit Nahrungsknappheit, Umweltverschmutzung oder der Zerstörung ihres Lebensraumes. Das ist etwas, das jeder tun kann. Du brauchst dafür kein Geld zu spenden, keine Häuser zu bauen oder irgendeine andere Ressource zu investieren. Ein kleines bisschen Eigenverzicht ist ausreichend – Weltrettung durch Unterlassung.

Ich erspare Dir den Satz am Ende, dass ich nicht versuche, andere mit diesem Artikel zu missionieren, denn eigentlich ist genau das das Ziel. Aber warum nicht andere für etwas begeistern, von dem man selbst überzeugt ist?

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